Familie Dickmann

 

 

Heinrich Dickmann (1808-1873)

Postillion,  Gastwirt und Posthalter

Gründer der Frau August Dickmann GmbH  

Wohnorte des Firmengründers

Seine Arbeitgeber waren die Kinder vom Oberhausener Posthalter Friedrich Krumpe (bis 1820)  Hermann (1820-1827) und Heinrich  (ab 1828). Die Tätigkeit als Postillion war zwischen 1830 und 1832 beendet.

Die Poststation  lag auf der Straßenseite des Schlosses Oberhausen in Höhe der gedachten Einmündung der Kanalstraße in die Konrad Adenauer Allee. Das Gebäude nutzte die Gutehoffnungshütte (GHH) zuletzt als Hüttengärtnerei. Im Jahre 1966 wurde das Anwesen abgebrochen.

An der Station in Oberhausen hielt die Postkutsche  der Route Münster-Düsseldorf, bzw. Mülheim. Der Postillion Heinrich Dickmann wird aber nur bis Duisburg, Mülheim oder Dorsten gefahren sein, da hier jeweils die Pferde gewechselt wurden.

Seit 1822 stellte Heinrich Dickmann der späteren Gutehoffnungshütte alle Pferde, die das Unternehmen benötigte. Er nutzte dabei die Einrichtungen der Barriere Oberhausen auf der er wohnte. Letztere lag dem heutigen Wasserturm an der Mülheimer Straße in Oberhausen gegenüber.

Die Barriere Oberhausen stellte von 1814 bis 1857 eine Relais-Posthalterei dar.  Hier wurden nur die Pferde gewechselt (Relais) und Wagen bereit gestellt. Heinrich Dickmann ist hier bis 1857 als Posthalter tätig gewesen.  Seine Vorgänger in dieser Funktion waren: Caspar Lauter und dann Caspar Jansen.

Die Postkutschenhaltestelle trug den Namen Chaussee-Barriere. Im Jahre 1857 verlegte die Post die Pferdehaltung zur Postexpedition am heutigen Oberhausener Hbf. Etwa zur gleichen Zeit musste Heinrich Dickmann auch die Pferdestellung für die Gutehoffnungshütte aufgeben.

Der berühmteste Fahrgast vom Posthalter Heinrich Dickmann war Kaiser Wilhelm I.


Das Gebäude der früheren Posthalterei Krumpe ist auf diesem Foto aus den 30er Jahren am linken oberen Bildrand zu sehen. Es wurde zuletzt von der Gutenhoffnungshütte (GHH) als Gärtnerei genutzt. Das Haus wurde 1966 im Zuge des Umbaus der Konrad Adenauer Allee abgerissen. Man wollte einen Bahnübergang vermeiden, der sich in der Nähe befand.


Posthalterei Krumpe


 © www.najubria.de

Dieses Dokument wurde 1825 von  Hermann Krumpe ausgefüllt.


© www.wiehl.de

Die Postkutsche sah so ähnlich aus wie diese hier.


 

© www.rylit.de

Preußischer Postillion

Diese Uniform wurde von Heinrich Dickmann getragen.


Wilhelm I (1797-1888)

Deutscher Kaiser von 1871-1888

 

Während der Revolution von 1848 musste Wilhelm I, der damals Kronprinz war, nach London fliehen. Auf der Rückfahrt wurde er von Heinrich Dickmann  mit der Postkutsche am 04.06.1848 von Ruhrort (heute Duisburg-Ruhrort) nach Oberhausen gefahren. Der Kronprinz reiste über Wesel, Ruhrort und Oberhausen. Dort stieg er dann in den Nachtzug ein um nach Hannover weiter zu fahren. 

Fußnote auf Seite 155 im 3. Band der 1854 erschienenen Berliner Revolutions Chronik.


Heinrich Dickmann errichtete als Bauunternehmer auch Häuser in Oberhausen.  Sein größtes Projekt war die erste St. Marien Kirche, die 1857 geweiht wurde. Das Gebäude befand sich an der Mülheimer Straße und der Schenkendorfstraße (heute Bundesagentur für Arbeit). Letztere verläuft in der Zeichnung zwischen der Kirche und dem rechten Gebäude. Die Zeichnung gibt den Zustand nach erfolgter westlicher Erweiterung des Gotteshauses in den Jahren 1873 / 1874 wieder. Die beiden Wohnhäuser wurden auch von Heinrich Dickmann erstellt. 


© www.oberhausen-rheinland.de  

(Auf dieser Homepage sind umfassende Informationen zum Thema zu finden.)

Zeche (Königsberg) Oberhausen

Heinrich Dickmann erwarb 1850 das 1847 gemutete Kohlenfeld Julius.  Seit 1848 war es Bestandteil der Gewerkschaft Königsberg. Um weiteres Kapital aufbringen zu können, wurde  1851 die Gründung  der Kohlenbergbau Aktiengesellschaft Königsberg versucht. Da dies scheiterte wurde die geplante Zeche 1853 an Franz Haniel verkauft. Dieser brachte das Bergwerk in die Gutehoffnungshütte (GHH) ein. Im Jahre 1857 wurde die Förderung aufgenommen. Der Name der Zeche wurde in Oberhausen geändert. Bis 1931 wurde Kohle gefördert.


Zeche Oberhausen um 1910

Das Bergwerk wurde im Volksmund auch weiterhin Zeche Königsberg genannt.


Gewerken der Zeche Königsberg 1851

(128 Kuxe = 100 %)


© www.oberhausen-rheinland.de

(Auf dieser Homepage sind umfassende Informationen zum Thema zu finden.)

Zeche Roland in Oberhausen-Dümpten

Vor 1851 beteiligte sich Heinrich Dickmann an der Zeche Roland, die 1856 die Förderung aufnahm. Dem Grubenvorstand gehörte Heinrich Dickmann niemals an, obwohl er, nach Franz Haniel, der größte Investor war. Vor seinem Tod (1873) verkaufte der Firmengründer seine Beteiligung an der Zeche, die bis 1928 in Betrieb war.


Gewerken der Zeche Roland 1858

(128 Kuxe = 100 % / Angaben mathematisch gerundet)

Daniel Morian hatte zwischen 1856 und 1858 seine Kuxe an dieser Gewerkschaft verkauft.

Das Unternehmen Mathias Stinnes AG trug damals noch den Namen Mathias Stinnes'sche Actien Gesellschaft.


 

Gertrud Dickmann, geb. Sandgathe (1851-1948)

 

Gertrud Dickmann gab der Frau August Dickmann GmbH den heutigen Namen. Eine andere Benennung des Unternehmens war damals nicht möglich. 

Gertrud Dickmann war seit 1877 mit August Dickmann verheiratet. Ihr Ehemann ist der Sohn vom Firmengründer Heinrich Dickmann.

Von 1884 bis 1919 war Gertrud Dickmann, Tochter des Dellwiger Gastwirtes Franz  Sandgathe (1320 erste Erwähnung der Familie (Arnold genannt in der Sandgathen), alleinige Eigentümerin der Firma.  Die Übernahme des Unternehmens erfolgte 1884 mit Genehmigung aller Beteiligten in Gesamtrechtsnachfolge. Gertrud Dickmann haftete damit für alle bestehenden Verbindlichkeiten mit ihrem Vermögen. 

Nach dem Tod des Firmengründers  waren bis 1884 dessen Erben, seine Ehefrau Therese und die Kinder,  Eigentümer der Firma. Das Vermögen blieb aber ungeteilt und Therese  Dickmann hatte das alleinige Verfügungsrecht. Sie erteilte ihrem Sohn August Generalvollmacht. Die Erben hatten durch  Kapitalentnahmen  das Unternehmen in seinem Bestand  gefährdet. Gertrud Dickmann stabilisierte die Firma mit ihrem Kapital und konnte bis 1892 alle Schulden tilgen. Die früheren Eigentümer erhielten eine Rente.

August Dickmann erhielt von seiner Ehefrau Generalvollmacht und war damit weiterhin als Geschäftsführer tätig. Gertrud Dickmann überließ zwar die aktive Geschäftsführung ihrem Ehemann, aber sie war über alle wichtigen Belange der Firma informiert und wurde durchaus auch selbst tätig.

Als Beispiel soll ein Rohentwurf für einen Brief dienen der von Gertrud Dickmann im Jahre 1901 an ihren Ehemann geschrieben wurde. Es ging um die teilweise Aufhebung der Vonderorter Straße. Die Gemeinde Osterfeld genehmigte dies 1902 mit der Auflage die Straße 1910 wiederherzustellen.


© Regionalverband Ruhr, Essen

Lage der Gastwirtschaft Sandgathe

Diese befand sich in Höhe des Bahnhofes Dellwig an der Donnerstraße.


 

Erklärungen zum nachfolgenden Brief

Graf

=

Hermann Graf Nesselrode, Grundstücksverpächter

Amtmann

=

Werner Langweg, Amtmann der Gemeinde Osterfeld von 1891 bis 1921

Unterführung

=

Feldbahntunel unter der Osterfelder Straße

 

Lieber Aug !

Habe heute morgen in Betreff Wegeverlegung mit Herrn Amtmann besprochen. Die Wegeverlegung wird wie letzthin in der Zeichnung vorgesehen auf 8 Jahre genehmigt. 1. werden jedoch Privatrechte 3. Personen nicht mit eingeschaltet im Vertrag, denn diesem wäre keine bekannt noch währe das Sache der Gemeinde.

2. Der Herr Graf müsste sich verpflichten, wenn wir die Wege nicht fertig stellen, und von der Gemeinde gegenüber fertig gestellt werden müssten, dass Material hierzu aus nächster Nähe herzugeben sowie auf allen Schaden der Gemeinde gegenüber verzichten, die durch die Fertigstellung des Weges ihm entstehen könnten. Abschrift vom Vertrage wird uns der Amtmann bald zukommen lassen, worum ich ihn gebeten habe. Um mit dem Grafen zu verhandeln wird er uns auch einen Teil der Zeichnung zurückborgen.

3. Auch könnte für die Unterführung noch keine Genehmigung erteilt werden, weil noch kein Material hiervon vorläge, würde aber nicht verweigert werden.

Eine gute Besserung wünscht grüßend.

Gertr.


August Dickmann (1846-1922)

 

August Dickmann war um 1865 bei der Bank Philip Salomon (heute Filiale der Deutschen Bank.) in Duisburg-Ruhrort als Lehrling tätig. Nach Ausbildung zum Bankkaufmann leistete er von 1865 bis 1866 seinen Militärdienst ab. Anschließend trat August Dickmann in den väterlichen Betrieb als Geschäftsführer  ein. 

Seine Ehefrau Gertrud, geb. Sandgathe, lernte er um 1870/71 kennen. Damals schüttete die Firma Dickmann in Essen-Dellwig in unmittelbarer Nähe der Gastwirtschaft Sandgathe einen Damm für die Köln Mindener Eisenbahn auf.  August Dickmann zahlte  in der Wirtschaft den Arbeitern die Löhne aus.

August Dickmann war Geschäftsführer

Dauer seiner Tätigkeit
Frau August Dickmann GmbH ca. 1870-1922
Westfälische Sandgräberei GmbH 1898-1915
Verein der Vereinigten Formsandlieferanten 1892-1908

 


Therese Dickmann, geborene Schlangenbrink (1811-1907)

 

Sie ist die Ehefrau des Firmengründers Heinrich Dickmann.  Das Unternehmen Dickmann trug von 1873-1884 ihren Namen. 

Die Familie Schlangenbrink stammt aus Gelsenkirchen-Horst. Therese Dickmanns Vater Hermann Schlangenbrink war dort als Bleicher und als Kötter tätig. Das Anwesen stand an der Turfstraße in  Höhe des heutigen St. Josef Hospitals in der Nähe des Schlosses Horst dem die Familie früher abgabenpflichtig war.


© Regionalverband Ruhr, Essen

Lage des Anwesens Schlangenbrink


Briefkopf der Firma Dickmann

Briefkopf in Originalgröße

Briefkopf in Originalgröße

Folgende Namen trug das Unternehmen Dickmann bis heute:

Heinrich Dickmann 1839-1873
Witwe Heinrich Dickmann 1873-1884
Frau August Dickmann 1884-heute

 


 

Die Verkaufsprodukte  der  Frau August Dickmann GmbH

 

Artikel

geeignet für

Anmerkungen

Kies Straßenbau von 1839 bis ca. 1955
Lipperheidesand Straßenbau, Ziegeleiproduktion von 1839 bis 1875 
Formsand Form beim Stahlguss von 1868 bis 1986
Hochofenschlacke Straßenbau ab ca. 1855 bis ca. 1932 Verkauf von Hochofenschlacke der Gutenhoffnungshütte  (Oberhausen) und von 1932-1965  Hochofenschlacke von Mannesmann  (Duisburg-Huckingen)

 


© www.osterfeld-westfalen.de

Hochofenanlage  der Gutenhoffnungshütte (GHH) in Oberhausen

Die Hochofenschlacke wurde ab 1855 von der GHH in Oberhausen auf der Geländefläche abgekippt, die an den Verbindungen Duisburger und Mülheimer Str. liegt. Heute wird das Gelände des Schlackenberges als Gewerbegebiet genutzt. Man baute dafür den Max Planck Ring.

Die geschäftlichen Beziehungen zwischen Dickmann und der GHH lassen sich bis 1822 zurück verfolgen.  Ab dem genannten Jahr stellte Heinrich Dickmann der GHH über 30 Jahre lag alle Pferde die das Unternehmen benötigte.